Hey,

heute möchte ich dir eins meiner neuen süchtig machenden Hobbies zeigen: Art Journaling! Bestimmt hast du schon davon gehört. Man hat eine Art Skizzenbuch, indem aber mehr passiert als nur Zeichnungen. Es ist noch etwas spezieller und persönlicher. Und es macht definitiv süchtig.                                                                                                                                                                                Warum ich diese Art von Skizzen-/ Tagebuch jedem empfehlen würde und was meine bisherigen Erfahrungen damit sind, erfährst du hier.

#1 Art Journaling, was ist das überhaupt?

Wie es die Wörter ‘Art’ und ‘Journal’ schon verraten, handelt es sich grob gesagt um ein Kunst- Tagebuch. Das bedeutet, dass du Erlebtes nicht wie bei einem klassischen Tagebuch in Textform dokumentierst, sondern visuell zum Ausdruck bringst. Du kannst je nach Geschmack hinein zeichnen, Fotos einkleben, Zeitungsausschnitte collagieren und sogar Sachen wie Briefmarken, Zugtickets oder Eintrittskarten einkleben. Natürlich kann man auch etwas dazu schreiben, wenn man das gerne macht. Am Ende ist es dein persönliches Büchlein, was deine Gedanken und Gefühle wiedergibt. Und das beste daran ist: Man kann es ruhig Kunstwerk nennen, ohne es je einem Kritiker gezeigt zu haben.

#2 Hört sich gut an, und jetzt?

Jetzt fange einfach an mit deinem Art Journal. Du musst dir kein teures Skizzenbuch dafür kaufen. Es kommt natürlich darauf an, was deine Hauptgestaltungsmedien sind. Klebst du hauptsächlich Fotos ein und schreibst etwas dazu, reichen die günstigen Notizhefte aus dem Supermarkt. Wenn du wie ich gerne nasse Medien, wie Gouache und Aquarellfarbe benutzt, sollte es ein Büchlein mit stärkerem Papier sein (mind. 140g/ m²).

In das Journal kannst du alles einfügen, was halbwegs flach und einklebbar ist. Bei mir sind das oft getrocknete Pflanzenteile, wie Moos, Farne, Wiesenblumen, sogar Baumrinde ect. Einfach alles worüber ich beim Spazieren gehen mit meiner Nase stolpere. Falls du auch gerne Fundstücke einklebst, nehme am besten ein Skizzenbuch mit Ringbindung. Das hält mehr Material- Volumen aus, ohne zu zerfledern.

Die Anfangshürde ist das Schlimmste. Die Angst vor dem weißen Blatt ist auch bei mir manchmal da. Keine Panik, das ist alles halb so wild. Wenn du die erste Seite deines neuen Büchleins nicht versauen willst, blättere einfach in die Mitte und fang da an. Außerdem ist es dein Tagebuch. Du machst das nur für dich. Dein geschriebenes Tagebuch würdest du auch niemand anderen kommentieren lassen oder?

Es sei den du willst es, sagen wir auf Instagram posten, wie ich es eine Zeit lang getan habe. Dann musst du dir fest vornehmen, dein Art Journal als Inspiration für andere zu verstehen und nicht die Qualität deiner Arbeiten anhand von Likes oder Kommentaren abzuschätzen. Das braucht ein bisschen Mut und ein dickes Fell. Es kann dich im Gegenzug aber auch an andere inspirierende Tagebuchführer bringen.

Art Journal Seite Wald von Ms. Hey!

Auf einer Wanderung durch meine Heimat, das Erzgebirge, entdecke ich immer wieder interessante Farben und Motive für mein Art Journal.

#3 Suchtgefahr: Warum du automatisch zum Messi wirst

Ja es gibt einen Nachteil, wenn man ein solches Buch führt. Sorry, aber du wirst automatisch zum Jäger und Sammler. Wenn du einmal angefangen hast, siehst du überall Schnipsel, die du einsammeln wirst und du kannst so gut wie nix mehr wegschmeißen. Ich für meinen Teil habe mittlerweile 2 große Kisten voll mit Schnickschnack. Das ist altes Geschenkpapier von Freunden, was mich an sie erinnert und ich nicht wegschmeißen kann. Außerdem sammle ich Restaurantbelege, Konzerteintrittskarten, Festivalbändchen, Glückskleeblätter, Münzen, alte Verpackungen, deren Gestaltung ich gelungen finde, Stofffetzen… Ja halt alles was so anfällt. 😉

Manchmal findest du tolle Dinge, die nicht sofort zu deinem Thema passen. Hebe sie trotzdem auf, den sie haben dich in irgend einem Punkt emotional angesprochen. Du kannst deine Journal- Seiten auch immer wieder abändern, etwas dazu kleben oder etwas ausschneiden, was besser auf eine andere Seite passt.

#4 Ein Tagebuch ohne Text?

Man kann das Art Journal als eine Art Puzzle verstehen. Jedes Puzzlestück mehr offenbart etwas von dir selbst. Manchmal hat man so viel im Kopf, das man sich ordnen muss. Hier hältst du Ideen und Erinnerungen fest, die dich zu dem machen, wer du bist. Ich bin ein stark visuell kommunizierender Mensch, deswegen kann ich mich über Farben und Formen präziser und ehrlicher mitteilen, als über das gesprochene oder geschriebene Wort. Mir fällt es leicht, selbst verrückteste Einfälle, Tagträume und Co. in meinem Art Journal festzuhalten. Denn ich muss keine Angst vor fremder Wertung haben und ich muss mich auch nicht vor mir selbst rechtfertigen.

#5 Art Journaling auch etwas für “Normale”

Du musst kein Kunst- Freak sein um ein Kunsttagebuch zu führen. Nämlich die Beschäftigung mit dir selbst und das bloße Gestalten ist schon das Ziel. Wie ein gutes Bastel- DIY kann es dich vom stressigen Alltag entschleunigen und wirkt meditativ. Oft vergessen wir, inne zu halten und uns selbst zuzuhören. Es ist ein Fotoalbum deines Inneren und hilft dir zur Selbstreflektion.

Es erzählt eine Geschichte. Deine Geschichte. Man sollte sich wichtig genug nehmen und sich diese Geschichte festhalten. Wenn du vor Ideen nur so sprühst wie ich, musst du mit dem Art Journal keine Angst mehr haben, irgend etwas zu vergessen. Das Buch funktioniert wie ein Schubladenschrank, indem du alles ablegen kannst, nach dem Ordnungs- (oder Chaos-) System, wie du es für richtig hältst.

#6 Meine Inspirationsquelle für Textildesign

Als Textildesignerin vermischt sich bei mir die Grenze zwischen privatem Tagebuchnutzen und Ideenquelle für neue Entwürfe. Das ist okay, weil es sich zwanglos anfüllt. Es muss nicht unbedingt jede Idee in eine tolle Kollektion umsetzt werden. Aber ich kann, wenn ich es will. Manchmal sind die ‘Ergebnisse’ so überraschend, das ich sofort Entwürfe entwickeln muss.

Ab und zu kann ich meine Intensionen noch nicht richtig deuten oder bin zunächst etwas enttäuscht über das Aussehen der Tagebuchseite. Auch das ist okay. Es bedeutet, dass ich mir im Moment nicht genug Aufmerksamkeit schenke und mir im Augenblick nicht klar ist, was ich ausdrücken möchte. Aber wenn ich nach längerer Zeit das Buch durchblättere, stelle ich überrascht fest, dass das alles Sinn macht. Vielleicht habe ich sogar Farben und Motive in meine Designarbeit übersetzt, ohne es bewusst gewollt zu haben. Durch das private heimliche und schützende Gefühl, was man beim Art Journaling hat, entstehen die tollsten Dinge, die früher oder später ihren Auftritt in den Designs haben werden.

Art Journal Seite Blätter von Ms. Hey!

Diese Journalseite zeigt die Kombination aus Foto, Zeichnung mit Marker und Stickerei. Das Foto stammt von einem Sonntagsspaziergang.

#7 Noch mehr Inspiration…

Falls du noch mehr Anregungen brauchst, sind hier meine Inspirationsquellen:

#8 Resüme: Art Journal ja oder nein

Unbedingt, ja! Aber du musst dir diese Frage selber stellen. Was es an Vorteilen bringt ist: Entschleunigung vom Alltag, kreative Beschäftigung ohne Zwang und Wertung mit meditativer Wirkung, ein Ventil für deine unausgesprochenen Gedanken und Gefühle, eine Inspirationsquelle, ein Ablage für Geheimnisse und Projektideen, eine Reflektion von dir selbst. Und es macht mega Spaß.

Nachteilig ist, wenn man so will, die aufkommende Sammelwut und daraus resultierender chronischer Platzmangel für Fundstücke. Für den einen oder anderen aber auch: die Beschäftigung mit dir selbst im Klartext. Sei mutig und probiere es einmal! Du kannst Kunst schaffen ohne unbedingt Künstler zu sein, du ‘unterhältst’ dich mit dir selbst und kannst deine Ideen und Ziele festhalten. Eine wunderbare Art, das Leben zu ordnen und zu genießen.

 

Habe ich dich mit dem Art Journaling begeistern können? Schau dir unbedingt die Links dazu an, die zeigen wie vielfältig dieses Kunsttagebuch aussehen kann. Kreiere deine eigenen kleinen Kunstwerke und gebe deiner Innenwelt eine Stimme.

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Mal,

deine Ms.Hey!