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Trends in der Mode-  und Heimtextilienbranche fliegen uns tagtäglich um die Ohren. Es gibt Fashionweeks und Heimtextilmessen, Trendforscher, die im stillen Kämmerlein Farbkärtchen und tolle Wörter hin und her schieben und ihre Trends in teuren Lookbooks an die Designfirmen verkaufen. Egal ob Pantones ausgerufene Farbe des Jahres 2017 „Greenery“ oder der absolut noch nie dagewesene Hang zu üppigen Blumenmustern – immer gibt es neue Trends!

Als Gestalter ist man versucht, starke Trendströmungen schon vor ihrer eigentlichen Blütezeit zu erschnuppern, um sie dann in eigenen Kollektionen festzuhalten und am Puls der Zeit mitzuwirken. Doch wie sinnvoll ist das Haschen danach und kann man sich auf Trends verlassen? Warum hat man als Gestalter immer diesen faden Nachgeschmack, wenn man seine Design- Entscheidungen mit dem Wort „Trend“ begründet?

Ein absolut kontroverses Thema, über das ich mir seit Jahren Gedanken mache. Es wird Zeit, dass Thema zu erörtern! Hier nun Teil I, mit einem eher kritischen Blick auf die Dinge….

Was sind Trends?

Klären wir erst einmal die Basics: Trends im allgemeinen sind politische, soziale, ästhetische Strömungen. Sie beschreiben also die sichtbare Ausprägung der Veränderung von Werten, neuen Ideen und Technologien. Auf die Textilbranche bezogen sind es die verbesserte oder neue Herstellung der Textilien, die ästhetische Wahrnehmung von Mustern und Farben, die Verarbeitung der Stoffe mit neuen Herangehensweisen und natürlich der Absatz von Produkten an den Konsumenten in einem bestimmten Zeitraum.

Denn neben den positiven qualitativen Errungenschaften des Trends, ist es vor allem die Quantität, die in der Wirtschaft eine Rolle spielt. Trends sind in der Regel kurzlebig. Hat der Trend seinen Peak erreicht, lässt man ihn fallen wie eine heiße Kartoffel. Zu kommerziell ist auch wieder uncool.

Wenn sich ein Trend überraschender Weise über Jahrzehnte hält und sich quasi selbst überlebt, wird er zum „Evergreen“ oder „Designklassiker“ ernannt. Er wird endlich ernst genommen und in die Designlexika der Welt aufgenommen. Der Klassiker verbündet sich nun mit den Wörtern Designgedächtnis und Kultur und ist damit endlich habilitiert.

Trends – wer denkt die sich eigentlich aus?

Es gibt ganze Wirtschaftszweige, die sich auf das Orakeln von Form- und Farbzuzammenhängen spezialisieren: die Trendforscher. Vereinfacht gesagt ist das ein großes Team aus Statistikern, Kulturwissenschaftlern und Kreativen aller Branchen. Ein Trend entwickelt sich als Ergebnis aus Beobachtung und Analyse kultureller Strömungen und dem Verknüpfen dieser einzelnen Punkte zu einem großen Ganzen. Wie geht es einer Gesellschaft, welche Meinung und Gefühle entwickelt sie zu bestimmten politischen und wirtschaftlichen Veränderungen und in welcher Ästhetik drückt sich das am besten aus?

Influencer sind die neuen Kristallkugeln

Influencer sind wichtige Meinungsführer mit überdurchschnittlich hoher Netzwerkgröße und Überzeugungskraft auf allen Social Media Kanälen. Durch das Wiedergeben ihrer Meinung lösen sie Kommunikationsstürme aus, die sich über das WorldWideWeb rasant verbreiten. Das kann man sich bildlich gut an einem Ameisenhaufen vorstellen und nennt man Schwarmintelligenz. Es ist also ganz natürlich, dass diese Influencer für Unternehmen goldwert sind. Sie kommunizieren meistens authentisch und unabhängig zu ihrer Zielgruppe, gelten als Experten ihres Gebiets und genießen hohes Ansehen.

Trends von oder für uns?

Sind Trends also ein Ergebnis, das wir als Ameisenhaufen verzapft haben?

Das man sich nicht in allen Trends wiederfinden kann, steht außer Frage. Doch wenn es politische und soziokulturelle Aspekte wiederspiegelt, warum fühlt sich ein Trend oftmals unpersönlich, fade oder unecht an? Warum habe ich als Gestalter Skrupel Trends zu folgen? Wieso habe ich ständig das Gefühl, nicht nach meiner eigenen Fasson handeln zu können? Warum braucht man erst Mitmenschen um sich herum, die einem permanent Trends vorführen, um sich damit anzufreunden? Und haben sie trotz meiner überwiegend kritischen Sichtweise nicht auch positive Aspekte?

Die Beantwortung dieser Fragen und noch ein bisschen mehr erzähle ich dir im 2. Teil von „Sinn und Unsinn von Trends in der Textilbranche“. Ich möchte eine möglichst breite Sicht auf das Thema bekommen und herausfinden, warum mir das Wort „Trend“ bisher so negativ aufgestoßen ist.

Wie nimmst du Trends war, siehst du dich selbst vielleicht sogar als Influencer? Was hällst du von Schwarmintelligenz oder glaubst du individuell und unabhängig von Trends zu handeln? Erzähle mir gerne davon in den Kommentaren!

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Mal,

deine Ms.Hey!