Hey!

Der Urlaub ist da. Ms. Hey! befindet sich offiziell in der Sommerpause – weißer Sandstrand, Meeresrauschen und Fisch essen inklusive. Weil es hier auf Usedom so viele Dinge zu entdecken gibt und ich mit fotografieren gar nicht hinterher komme, berichte ich heute von einer Ausstellung, die mich inspiriert und sehr beeindruckt hat: Das Sandskulpturen – Festival im Seebad Ahlbeck.

Vom Sandkorn zur Skulptur

Sandskulpturen bestehen tatsächlich nur aus Sand und Wasser, ganz ohne zusätzliche Haltbarmacher oder Gerüste, wie ich anfänglich annahm. Die Kunst besteht neben der plastischen Arbeit des Künstlers darin, den „richtigen“ Sand zu verwenden und ihn stark zu verdichten.

Sand mit Muscheln und Seetang eignen sich nicht für Sandskulpturen

Der Heringsdorfer Sandstrand ist toll, aber nicht für Skulpturenbau geeignet.

Der richtige Sand

Sand sieht bis auf seine Färbung meistens gleich aus, dabei kann er von organischem oder mineralischem Ursprung sein. Organischer Sand besteht vor allem aus winzigen klein geriebenen Muschelschalen, Korallen und Fossilien und ist meistens an Salzgewässern zu finden. Mineralischer Sand besteht aus kleinsten Gesteinsbrocken aus Bergregionen wie den Alpen. Kann man also Skulpturen aus Strandsand bauen? Nein, zumindest keine haltbaren. Denn für die Skulpturen wird ein junger und eckig- körniger Sand verwendet. Strandsand ist durch Gezeiten und Wellengang viel zu sehr rund geschliffen. Man kann sich das modellweise so vorstellen, das man Würfel im Gegensatz zu Bällen gut stapeln kann. Der mineralische Sand dieser Skulpturen stammt aus einer Kiesgrube bei Pudagla auf Usedom.

Technik – Basics

Um kleine oder mehrere Meter hohe Sandskulpturen entstehen zu lassen, geht man immer nach dem selben „Sandbergprinzip“ vor: Zunächst wird der Sand mit Radlager oder Kran in eine Art Holzkiste ohne Boden, die so genannte Malle, geschüttet. Darin wird der Sand abwechselnd befeuchtet und mit Rüttlern aus dem Straßenbau gepresst, bis das Volumen für die geplante Skulptur erreicht ist. Dann kann mit dem Carven der Figuren begonnen werden.

Für das Bearbeiten des Sandblocks muss dieser immer wieder feucht gemacht werden. Das Schneiden des Blocks von oben nach unten und das Ausarbeiten von Details erfolgt u.a. mit Schaufeln, Maurerkellen, Teppichmessern, Pinsel und Strohhalmen. Wichtig für den Künstler sind vor allem plastisches Vorstellungsvermögen, ein Auge für Proportionen und zügiges Arbeiten. Einige der Künstler sind studierte Bildhauer und arbeiten sonst mit Stein, Holz oder Metall und bringen dementsprechend viel Erfahrung mit. Man kann sich das Carven aber auch ohne bildhauerische Ausbildung, mit viel Ausdauer und Fleiß, selber aneignen.

Nach der Fertigstellung der plastischen Arbeit, kann die Skulptur komplett austrocknen und hält durch die feste Pressung der verkanteten Sandkörner zusammen. Selbst Windböen bis Windstärke 7 hält die Figur problemlos aus. Normale Regenschauer sind ebenfalls nicht schlimm. Der Sand nimmt die Feuchtigkeit auf und gibt sie später wieder an die Umgebung ab.

Fotostrecke der Sandskulpturen

Sandskulpturen- der Gott des Meeres

Begrüßt wird man vom „Gott des Meeres“ Künstler: Slavian Borecki aus der Ukraine

Das Great Barrier Reef Sandskulpturen

Homage an das Great Barrier Reef – das größte Korallenriff der Erde Künstler: Zsolt M. Tóth aus Ungarn

Lore Lay Sandskulpturen

Anatomisches Meisterwerk von Vadim Gryadov aus Russland: „Lore Lay“

Fluch der Karibik Sandskulpturen

Der Fluch der Karibik darf natürlich beim Meeresthema nicht fehlen Künstler: Andrey Vazhynskyy(Ukraine), Slavian Borecki (Ukraine), Ivan Zverev(Russland) , Pavel Solovov (Russland)

Vineta und Atlantis Sandskulpturen

Vineta und Atlantis Künstler: Martin Tedder (Niederlande) , Eugenia Kolot (Ukraine), Evangelos Stafylidis (Deutschland/Griechenland)

Sponge Bob - Nemo - Arielle Sandskulpturen

„Arielle die Meerjungfrau“ Künstler: Teymur Abdulganiev aus Russland

Fazit

Ich war begeistert vom Detailreichtum der Arbeiten zum Thema „Maritime Abenteuer“. Wie du oben in der Fotostrecke sehen kannst, wurden selbst die Schaumkronen der Wellen, Holzstrukturen und organische Texturen, wie die der Korallen, naturgetreu dargestellt. Auch die architektonischen Bauten und die Anatomie der Figuren hat mich beeindruckt. Gerne hätte ich die Künstler getroffen und ein paar neugierige Fragen gestellt. Z.B. wie lang sie daran gearbeitet haben und welche Details wirklich mit dem Strohhalm entstanden sind. Wie sie ihre Skulptur planen und aufzeichnen und ob sie sich Techniken von den alten Ägyptern abgeschaut haben, die diese Sandskulpturen schon 4000 v. Chr. gebaut haben…

Das maritime Thema wurde sehr breit angelegt. Viele mythische Sujets wurden umgesetzt, wie Vineta und Atlantis, Meeresgötter und Meerjungfrauen. Natürlich durfte Störtebecker und ein paar Piraten und Hai- Skulpturen nicht fehlen. Neben naturgetreuen Nachbildungen von organischen Materialien, Tieren und Menschen, gab es auch „Filmposter“, Mottowände zu „Moby Dick“ oder dem Märchen „Der Fischer und seine Frau“. Wer mit Mythen, Erzählungen und Infotafeln nicht so viel am Hut hatte, wurde spätestens mit Zeichentrickklassikern, wie „Arielle“ oder „Sponge Bob“ zum Schmunzeln gebracht. Somit bietet das Sandskulpturen – Festival für Groß und Klein genug Attraktionen.

Gewünscht hätte ich mir einen kleinen Film über die Herstellung der Sandskulpturen. Oder tiefer gehende Erzählungen der Bildhauer zu ihren Werken. Ein kleiner Sandbildhauer – Workshop wäre auch toll gewesen, dafür hätte ich auch mehr bezahlt. Aber alles in allem ist das Festival eine kurzweilige und beeindruckende Ausstellung, die für Comic- und Film- Liebhaber genauso geeignet ist, wie für Mythologiebelesene und Biologieinteressierte.

Die Ausstellung geht noch bis Anfang November. Falls du auf Usedom unterwegs bist, solltest du dir diese künstlerischen Sandberge nicht entgehen lassen 😉 Mehr Infos gibt’s hier.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und bis bald

deine Ms.Hey!