Hey!

Heute möchte ich dir einen berühmten Künstler vorstellen, der mich immer wieder zum Nachdenken bringt und mich wahnsinnig inspiriert. Er untersuchte die Beziehung von  Kunst und Alltag und schaffte es, seine Umgebung in plastischen Skulpturen und Installationen wiederzugeben und das in einer sehr emotions – und fantasiereichen Art und Weise. Bitte schaut euch den folgenden Bilderlink zu seinen Arbeiten an*:

Bühne frei für Claes Oldenburg!

Kleine Vita:

Ende der 1920er Jahre in Stockholm geboren, wuchs Claes in Chicago heran. Er war sehr an Sprachen und Literatur interessiert und studierte darauf hin Englische Literatur und Kunst- und Theaterwissenschaften. Nach seinen ersten Jobs als Polizeireporter und Nachrichtenjournalist, zog er 1956 nach New York und entschloss sich, als freischaffender Künstler zu arbeiten. Neben seinen berühmten plastischen Werken, fungierte er als Maler und Aktionskünstler und blieb auch seiner Leidenschaft des Schreibens treu.

Werkphasen- ein paar Stichwörter zum selber googlen!

  • 1960 The Street
  • 1960  Flags
  • 1961-62 The Store
  • ab 1963 Geometric Mice
  • 1963- 1964 The Home +  Soft Sculpture
  • Ende der 1960er Proposed Colossal Monuments- Zeichnungen fantastischer riesiger Monumente
  • ab Mitte 1970er riesige Skulpturen (Wäscheklammer; Löffelbrücke mit Kirsche, Spitzhacke, Gartenschlauch) meistens in Zusammenarbeit mit seiner Frau Coosje van Bruggen

Stil und Sujets seiner Kunst:

Als bescheiden lebender Berufsanfänger kam Claes Oldenburg eine pragmatische und trotzdem geniale Idee: Statt teure Künstlerartikel zu kaufen, verwendete er alles Material, was er in den Straßen finden konnte. Kartons, Holz, Jutesäcke usw. baute er zu Skulpturen zusammen und präsentierte sie in einer Installation. Er verwendete eine “straßentypische” Farbpalette von Grau- und Brauntönen und nannte seine erste Arbeit “The Street”. Neben der günstigen Variante, Müll zu recyclen und zum Kunstobjekt zu verarbeiten, ist noch eine andere Komponente spannend, die Wiedergabe seiner eigenen Umgebung und Realität. Das heißt nicht, dass er die Straßen New Yorks detailgetreu nachbaute, sondern er zeigte den Alltag durch seine Gedanken und Erlebnisse gefiltert. Diese emotionale und sehr persönliche Herangehensweise sollte der essentielle Bestandteil seiner Kunst bleiben.

Richtig schön bunt wurde es später mit seinem selbst gebauten “Store”. Er ließ inspirationsweise seinen Blick von den Bortsteinen der Straßen in die  Schaufenster der Läden schweifen und entdeckte allerlei farbige Konsumgüter. Er baute Kuchenvitrinen, Servierplatten u.ä. nach, die aus Drahtgestellen, in Putz getränken Muselin und Emaillefarbe bestanden. Durch die Verwendung von Baumaterialien entfremdet er die Nahrungsmittel und erhebt sie zum Kunstwerk. Die eigtl. Funktion von Tortenstück und Co wird ad absurdum geführt, übrig bleibt die bloße Form und dessen bunte Hülle. Das nächste Erkennungsmerkmal seiner Kunst ist geboren: Das taktile und haptische Erlebnis seiner Skulpturen im Raum durch rauh verputzte Oberflächen und eine hochgesättigte Farbpalette.

Nachdem Oldenburg weiche Gegenstände in Gipsputz darstellte, ging er zum Gegenteil über und entwarf knautschige riesige Objekte aus Vinyl. Neben einer wabbeligen Toilette schuf er Burger, Eistüten usw., die mich immer wieder an Hüpfburgen denken lassen. Wieder ging es vor allem um das haptische Erlebnis der Dinge. Er stellte Alltagsgegenstände in neuen Kontexten zusammen und führte diese in Installationen vor.

Warum ich Oldenburg so toll finde:

Er selber bezeichnet sich nicht als Popart- Künstler und dass obwohl Skulpturen und riesige Malereien von Alltagsgegenständen und Nahrungsmitteln ein großer Bestandteil dieser Kunstära in den 1960er Jahren ausmachen. Er erklärt es damit, dass er im Gegensatz zu anderen Künstlern keine Kritik am Konsumverhalten Amerikas ausübt. Sondern die Metamorphose von Torte und Co zu überlebensgroßen fühlbaren Monumenten vollführt und das Zusammenspiel von Objekt und Raum, farbiger Gestaltung mit Licht und Schatten im Vordergrund steht. Daraus lassen sich folgende spannende Grundlagen und Hypothesen ableiten:

Was ich mir persönlich aus Oldenburgs Werken ableite:

  •  Es gibt keine allgemeingültige Realität. Jeder hat seine einzigartige Realität, die durch emotionale Wahrnehmung gesteuert wird.
  • Erinnerungen an Erlebtes und unsere eigene Gedankenwelt formt ein Bewusstsein, dass unser Verhalten im Alltag steuert. Die Grenzen, die jeder von uns wahrnimmt, sind selbst gesetzt. Unsere Gedanken sind dazu in der Lage, ganze Situationen und Gegenstände zu defragmentieren und in neuen ungewöhnlichen Kontexten zusammenzustellen.
  • Man kann sich am besten erinnern, wenn man es mit allen Sinnen erlebt hat.
  • Eine konsumgesteuerte Gesellschaft mit Heißhunger auf materiellen Besitz ist ein Spiegel unbefriedigter Grundbedürfnisse ,wie Zugehörigkeit und Liebe.
  • Man sollte die kleinen Dinge und Freuden des Alltags wahrnehmen, siebereichern einen Großteil unseres Lebens.
  • Das Leben von einem einzigen Standpunkt aus zu betrachten macht keinen Sinn. Eine halbwegs objektive Meinungsbildung ist nur durch Diskussion, in Erwägung ziehen des Gegenteiligen und des ad absurdum – Führens möglich.

Was ich von ihm lerne:

Oldenburgs Arbeiten haben für mich etwas Ironisches und Humorvolles. Man kann sich mit seiner Sicht identifizieren und begreift, dass der Alltag alles andere als langweilig daher kommt. Ich möchte in meiner Arbeit als Designerin genau diese emotionale Komponente herüber bringen. Ich verstehe meine Musterentwürfe auch als Wiedergabe meiner unmittelbaren Umgebung und möchte mit meinen Designs nahezu kindliche und unverfälschte Freude erzeugen. Auc privat zeichne ich neben Wald, Wiese und Co am liebsten den Inhalt meiner Küche. Ich gebe jedem Gegenstand meine ungeteilte Aufmerksamkeit und lerne ihn dadurch wertschätzen. Momentan ist das Minimalismus – Prinzip total in Mode. Das ist keine schlechte Herangehensweise, kann aber nur von jedem selbst  beantwortet werden. Für mich und meine Arbeit heißt das: Wiederverwenden von Materialien, langlebige Lösungen finden, Vermitteln von Qualität vor Quantität, Handwerk erlebbar machen…

Ich hoffe dir hat der kleine Einblick in Oldenburgs Schaffen gefallen! Vielleicht möchtest du dir selber ein paar Hypothesen ableiten? Es lohnt sich in Oldenburgischer’ Manier über das Leben und unseren Alltag nachzudenken.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und bis bald,

deine Ms.Hey!

* Bis auf Weiteres werde ich aus rechtlichen Gründen keine Bilder, die nicht von mir selbst stammen, auf meinem Blog verwenden. Bitte schaue dir über den rot markierten Link passende Bildbeispiele an. Danke für dein Verständnis!